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Mercedes-Benz Trucks: Zukunfts-Lkw im Praxiseinsatz

Bis zum Jahr 2030 möchte Mercedes-Benz Trucks in Europa mehr elektrische Lkw verkaufen als nichtelektrische. Ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg wurde im Herbst 2021 mit dem Start der Serienproduktion des Mercedes-Benz eActros für den schweren Verteilerverkehr gesetzt.

Seit Anfang dieses Jahres sind die ersten Serienmodelle des eActros erfolgreich im Kundeneinsatz.

Im Rahmen einer „Driving Experience“ hatten wir Gelegenheit zu einer vollelektrischen Testfahrt durch die Pfalz.

Kompetente Beratung für maßgeschneiderte E-Mobilität

Speziell im Zusammenhang mit vollelektrischen Lkw gilt es, vor der Anschaffung eine Reihe von Fragen zu klären: Auf welchen Strecken können E-Fahrzeuge eingesetzt werden? Wie sieht es mit der Ladeinfrastruktur aus? Mit welchen baulichen Maßnahmen und Investitionen muss man fürs Depot-Laden rechnen?

Umso wichtiger ist es deshalb, den Kunden nicht nur einen E-Lkw zu verkaufen, sondern sie auch auf dem Weg in die Elektrifizierung ihres Fuhrparks zu begleiten. Dabei ist laut Jean Marc Diss, Leiter Region Europa Mercedes- Benz Trucks, die umfangreiche Beratung für Kunden kostenlos, selbst wenn es nicht zum Verkauf eines E-Lkws kommt.

Ebenfalls Bestandteil des sogenannten eConsulting ist auch die Netzanbindung. Daimler Truck hat hierfür eigens eine strategische Partnerschaft mit Siemens Smart Infrastructure geschlossen. Auch Hilfestellung bei der Identifikation öffentlicher Förderungen von Infrastruktur und Fahrzeugen sind möglich.

Zwei Ausführungen

Die batterie-elektrisch betriebenen Serien-Lkw von Mercedes-Benz Trucks sind speziell für den schweren Verteilerverkehr konzipiert. Den eActros 300 gibt es als 4×2 mit 19 t Gesamtgewicht oder als 6×2 mit 27 t Gesamtgewicht. Verbaut sind drei Batterie-Packs, die für eine Reichweite von 300 km ausgelegt sind. Den eActros 400 mit vier Batterie-Packs und bis zu 400 Kilometer Reichweite gibt es wegen der Gewichtsverteilung nur als 6×2 mit 27 t Gesamtgewicht. Ein Batterie-Pack wiegt 740 kg und hat eine Kapazität von 112 kWh.

Technologisches Herzstück des eActros ist die Antriebseinheit, eine elektrische Starrachse mit zwei integrierten Elektromotoren und ein Zwei- Gang-Getriebe. Die beiden flüssigkeitsgekühlten Motoren generieren eine Dauerleistung von 330 kW sowie eine Spitzenleistung von 400 kW.

Summen statt brummen

Nach dem Einsteigen in den eActros wird ganz normal der Startknopf gedrückt. Danach ist es für den Fahrer erst einmal ungewohnt ruhig, ein leises kurzes Surren als würde Druck aufgebaut und dann hört man im eActros so gut wie nichts. Es fehlt die gewohnte Bestätigung, dass der Motor läuft. Wenn man wie gewohnt am Lenkstockhebel die Fahrstufe einlegt und erstmals vorsichtig auf das Fahrpedal drückt, ist lediglich ein dezentes Summen zu hören.

Vom akustischen Warnsystem AVAS (Acoustic Vehicle Alerting System), bei dem aus Lautsprechern ein künstliches Geräusch simuliert wird, welches Fußgänger oder Radfahrer auf den eActros aufmerksam machen soll, ist in der gut gedämmten Kabine nichts zu hören. Erst bei höherem Tempo macht sich eine Geräuschkulisse bemerkbar, für die allerdings die Abrollgeräusche der Reifen und der Fahrtwind, der sich bei höheren Geschwindigkeiten in der Sonnenblende verfängt, verantwortlich sind.

An diese, bis dato unbekannte Ruhe, kann man sich nur allzu gerne gewöhnen. Das bringt aber auch neue Lernprozesse mit sich. Man sollte bei Ortsdurchfahrten Radfahrer und Fußgänger immer im Auge behalten. „Lautlos“ und „großer Lkw“ – das passt für viele einfach noch nicht zusammen, wenn sie sich anschicken, die Fahrbahn zu queren.

Sollte man doch wider Erwarten etwas übersehen, kommt der Abbiege- Assistent S1R zum Einsatz, der beim eActros serienmäßig verbaut ist. Das System kann unterstützend eingreifen und warnen. Für optische Warnhinweise nutzt der Abbiege-Assistent das Display der MirrorCam. Aufpassen heißt es auch vor Kurven und Autobahnausfahrten, die man im eActros zu schnell in Angriff nimmt. Zum einen, weil kein mechanischer Antrieb den Rollprozess einschränkt und der eActros extrem gut rollt. Und zum anderen, weil das gewohnte Geräusch fehlt, denn leise ist eben nicht gleichbedeutend mit langsam.

Power im Überfluss

Beim Beschleunigen liefert der von uns gefahrene eActros Power im Überfluss, im Kick-down-Modus des Gaspedals werden kurzfristig bis zu 70 Kilowatt mehr generiert. So macht elektrisches Fahren sogar Spaß. Erstaunlich, wie vehement der auf 19 t ausgeladene eActros nach vorne schiebt und nichts außer einem leisen Summen von sich gibt.

Der eActros kann dabei nur mit dem Fahrpedal nicht nur beschleunigt, sondern auch verzögert werden. Er erkennt durch die Intensität und durch die Geschwindigkeit, mit der die Pedalstellung verändert wird, ob und wie verzögert werden soll. Klassische Bremsvorgänge sind so nur selten erforderlich. Dazu muss lediglich im digitalen Cockpit das One-Pedal-Driving aktiviert werden. Man wählt beispielsweise die Stufe 3 und kann dann über die ersten 30 Prozent am Gaspedal die Verzögerung per Rekuperation stufenlos von null bis zur dritten Stufe einleiten. Das heißt, wo man bei einer normalen Ortsdurchfahrt den rechten Lenkstockhebel mehrmals in verschiedenen Stufen benutzen würde, geht alles ganz einfach nur über das Fahrpedal.

Wer bremst, verliert – das ist im E-Lkw so nicht mehr gültig. Durch intelligente Rekuperation wird bei jedem Bremsvorgang die sonst ungenutzt verpuffende Bremsenergie in elektrische umgewandelt und zurück in die Fahrzeugbatterien gespeichert. Die so gewonnene Energie kommt der Reichweite zugute.

Aufladen der Batterien

Nach unserer Tour durch die Pfalz haben wir die Batterien wieder aufgeladen. Laden lässt sich der eActros mit bis zu 160 kW. Die drei Batteriepakete benötigen an einer üblichen DC-Schnellladesäule mit 400 A Ladestrom etwas mehr als eine Stunde, um von 20 auf 80 Prozent geladen zu werden. Wir haben uns für die 160 kW Leitung entschieden. Diese ist etwas dicker, weil beidseitig Wasserkanäle die Ladeeinheit kühlen. Das Anbringen des Ladesteckers ist einfach. Einmal kurz mit dem Fahrzeugschlüssel freischalten und schon fährt das System langsam hoch. Wenn 80 Prozent reichen, sollte man auch nicht vollladen, sonst würde man die Energie am Anfang der Fahrt bei der Rekuperation verschwenden, weil kein Puffer in der Batterie vorhanden wäre.

Die Vorstellung und unsere Testfahrt haben gezeigt, dass Daimler Truck für den schweren Verteilerverkehr mit dem eActros bereits heute einen in der Praxis bewährten Zukunfts-Lkw im Angebot hat.


Günter Willwert

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