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Lkw-Parken: Wer rastet, der ist in Gefahr

Zuschauer fragen, Experten antworten – der ADAC veranstaltete Anfang Dezember einen interaktiven Live-Talk. Experten diskutierten dabei die Situation rund um das Lkw-Parken auf deutschen Rasthöfen und die damit verbundenen Lösungsansätze. Einer davon war der VEDA-Vorsitzende Johannes Witt. Schließlich setzt sich der Autohofverband seit Jahren für eine Verbesserung der allabendlichen Parksituation ein.

Der steigende Warenverkehr als Folge der Globalisierung und des boomenden Online- Handels führt auf Deutschlands Autobahnen zu immer mehr Lkw, die längst nicht alle auf den vorhandenen Parkplätzen unterkommen – das tägliche Leid der Berufskraftfahrer.

Wie hoch ist das Unfallrisiko durch Falschparker? Wie kann das Parkproblem gelöst werden? Welche Verbesserungen sind für Fahrer möglich? Ist der Güterverkehr auf Schiene eine Alternative? Kann ein bundesweit einheitliches Parksystem das Problem lösen? Welche Unterstützung bedarf es seitens der Politik? Dies waren nur einige der Fragen, zu denen die Expertenrunde anlässlich des Live-Talks Stellung nahm.

Dr. Klaus Manns, Vorsitzender beim ADAC Mittelrhein e.V.: „Es ist dringend notwendig, dass neue Stellplätze geschaffen werden. Wenn keine vorhanden sind, fehlt uns die Basis. Ich möchte dazu animieren, dass man hier gemeinsam an einem Strang ziehen muss. Die Flächen, die vorhanden sind, müssen intensiver genutzt werden.“

„Die Situation auf unseren Straßen spitzt sich zu, es ist dringend geboten sich mit denen zu unterhalten, die hier Abhilfe schaffen können.“

„Den Zustand, wie er jetzt vorliegt, erleben wir schon über viele Jahre. Es ist nicht damit getan, dass man überlegt und Initiativen ins Leben ruft, die dann wieder lange dauern. Es muss kurzfristig etwas passieren. Es ist schon zu lange nicht genug passiert und alles was in die Zukunft gedacht wird, hilft im Augenblick nicht.“

Prof. Gerd Riegelhuth, Geschäftsbereichsleiter Verkehrsmanagement, Betrieb und Verkehr bei der Autobahn GmbH des Bundes: „Wir sind dabei, mehr Effizienz bei der Stellplatzausnutzung zu schaffen. Zum einen muss die Stellplatzanzahl in deutlicher Qualität erhoben werden als wir das heute haben. Zum anderen müssen wir mit digitalen Lösungen Abhilfe schaffen. Neben dem Ausbau der Stellplätze müssen wir kurzfristig sehen, wie wir besser darüber informieren können, wo es noch freie Kapazitäten gibt. Die Information, die Anzahl der freien Stellplätze zu detektieren und zu übermitteln, helfen uns sicher kurzfristig weiter. Die Informationskette, die sich dahinter befindet, muss aufgebaut werden. Da arbeiten wir derzeit unter anderem mit unserer Autobahn-App dran.“

Prof. Dr. Dirk Engelhardt, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL): „Ohne den Lkw steht Deutschland binnen kürzester Zeit still. Unser täglicher Konsum ist vom Lkw abhängig. Wir müssen daran arbeiten, dass dem normalen Konsumenten bewusst ist, die Fahrer und Transportunternehmer sind systemrelevant, denn sie sichern unseren täglichen Konsum. Bei aller Diskussion um Parkplätze, die wichtig ist, würde ich mir auf Seiten der Politik mal einen mutigen Ansatz wünschen. Grundvoraussetzung hierfür wären festgeschriebene Ladelängen, wie es sie in Nordamerika gibt. Wir werden das Problem nicht kurzfristig lösen, also müssen wir die Lkw neudenken und zumindest mit einer Toilette und Waschmöglichkeiten ausstatten. Wir fordern deshalb von der Politik, dass die Ladelänge festgeschrieben wird. Der Bedarf an Parkplätzen ist natürlich dann weiterhin gegeben, aber wir werden auch solche Ansätze verfolgen müssen.“

Johannes Witt, Vorsitzender Vereinigung Deutscher Autohöfe e.V.: „Wir haben seit vielen Jahren beim Bundesverkehrsministerium interveniert, dass wir in der Lage sind, weitere
Parkflächen zu schaffen, wenn wir als Partner der Autobahnen und als systemrelevant mit angesehen werden.“

„Ich glaube nicht, dass wir es in den kommenden drei bis fünf Jahren schaffen werden, das Problem zu lösen, aber wir als Autohöfe sind in der Lage 4.000 bis 5.000 Lkw-Stellplätze mit dem Förderprogramm des Bundes in den Markt zu bringen und somit einen entscheidenden Beitrag zu leisten, um das Problem zumindest ansatzweise zu lösen.“

Ulrich Chiellino, Leiter Verkehrspolitik beim ADAC e.V: „Es besteht eine Zunahme des Lkw-Verkehrs, die Güter werden mehr, der Parkraum wächst nicht mit. Die Routen aus dem Ausland durch das Transitland Deutschland haben ebenso zugenommen. Selbst wenn man es schafft, den Anteil der Schiene auf etwa 25 Prozent zu erhöhen, muss man sich auch bewusst sein, dass die Gütermenge als solches wächst und dadurch nicht automatisch geringer wird. Die Lücke ist also auch dann noch gegeben, wenn mehr Güterleistung auf die Schienen gezogen werden kann.“

Daniela Grabert, Lkw-Fahrerin bei der Spedition Gebr. Schröder in Ebernhahn: „Es gibt genügend Speditionen, die ihre Lkw in den Fernverkehr schicken, sie haben dann unter der Woche Parkplätze auf dem eigenen Gelände frei, die man zentral anbieten könnte und die auch kurzfristig vorhanden wären.“

„Wenn ich an Grenzen meiner Lenkzeit komme, habe ich keine Zeit, mich durch überfüllte Parkplätze zu kämpfen, um dann festzustellen, dass alles voll ist und ich weiterfahren muss. Ich muss am Parkplatz schon sehen können, wie viele Stellplätze an der nächsten Raststätte schon frei sind.“


Elke Lichtenberg

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