Sicherheit: Arbeitsplatz Berufskraftfahrer

Die Tätigkeiten eines Berufskraftfahrers sind vielseitig und anspruchsvoll. Er hilft beim Be- und Entladen der Fracht, sichert die Ladung, plant seine Fahrtstrecken und prüft Frachtpapiere. Dabei ist er auch Ansprechpartner für den Kunden und stimmt sich vor Ort mit dem Ladepersonal ab.

Fahrerkabine

Das Fahrerhaus ist Arbeitsplatz und Wohnraum zugleich. Für internationale Touren eignen sich geräumige Fahrerhäuser mit viel Stauraum. Auch der tägliche Kleinkram, wie Frachtpapiere, Schreibutensilien und vieles mehr muss sicher verstaut sein. Damit die Gegenstände bei einer Vollbremsung nicht durch die Kabine fliegen, empfiehlt sich ein auf dem Beifahrersitz befestigtes Ordnungssystem, das gleichzeitig als Schreibunterlage dient. Die Fahrerkabine ist zudem der Ort für Ruhepausen und Schlafplatz für die Nacht. Der Liegeplatz sollte daher ergonomisch ausgestaltet sein und die Liegefläche über eine Länge von 2,10 m verfügen. Komfortliegen sind 2,20 m lang und meist in Fahrtrichtung nivellierbar, damit auch beim Parken am Berg eine horizontale Liegefläche entsteht. Die Liege sollte über einen geeigneten Aufstieg erreichbar und verglaste Flächen mit einem Sichtschutz versehen sein. Praktisch sind Bedienelemente für Radio, Klimaanlage und Leseleuchte, die vom Liegeplatz aus erreichbar sind.

Heutzutage lassen sich längere Warte- und Standzeiten nicht vermeiden. Sinnvoll ist daher bei niedrigen Außentemperaturen eine Standheizung. Hingegen wird sich bei intensiver Sonneneinstrahlung die Fahrerkabine enorm aufheizen. Eine Kabinenklimatisierung sorgt für angenehme Temperaturen am Fahrerarbeitsplatz. Für zusätzliches Wohlbefinden in heißen Sommermonaten sorgt eine Kühlbox mit gekühlten Getränken und Lebensmitteln.

Fahrersitz für Profis

Lkw-Fahrer müssen viel sitzen – dem Sitz kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Neben der standardmäßigen Sitzverstellung in Längsrichtung und in der Höhe, sollten die Seitenwangen des Sitzkissens und der Rückenlehne einstellbar sein – sie sorgen für seitlichen Halt. Auf eine einstellbare Lordosenstütze, sowie Verstellbarkeit der Kopfstütze und die Höhenverstellung für den Gurt sollte geachtet werden. Ein wichtiges Ausstattungsmerkmal ist die Sitzklimatisierung. Sie reduziert im Sommer das Schwitzen an den Sitzkontaktflächen und wärmt im Winter. Spezielle Hersteller bieten Ergonomiesitze mit pneumatischer Federung an, bei denen die Sitzeinstellung auf das Fahrergewicht automatisch erfolgt. Nur ein Sitz, der ergonomisch gestaltet und individuell auf den Fahrer einstellbar ist, kann die körperlichen Belastungen während des stundenlangen Sitzens mindern. Doch auch mit einem Profisitz sollten regelmäßige Pausen, spätestens nach zwei Stunden, eingelegt werden. Ein Spaziergang an der frischen Luft oder etwas Gymnastik lockert die Muskeln und bringt den Kreislauf wieder in Schwung.

Tipps für rückenschonendes Sitzen

  • Stellen Sie den Sitz individuell auf Ihren Körper ein.
  • Sitzen Sie aufrecht und lehnen Sie den Rücken ganz an die Rückenlehne an.
  • Vermeiden Sie schiefes und krummes Sitzen – die Bandscheiben werden ungleichmäßig belastet.
  • Bleiben Sie in Bewegung, indem Sie hin und wieder die Sitzhaltung verändern.
  • Stehen Sie an der Ampel oder im Stau: Nutzen Sie die Zeit für Lockerungsübungen.

Absturzunfälle

Besonders bei Auslieferungsfahrten, wo der Fahrer ständig ein- und aussteigen muss, zeigt sich, ob der Kabineneinstieg ergonomisch und sicher gestaltet ist. Sichere Einstiege verfügen über großflächige und rutschhemmende Auftritte sowie gut erreichbare Haltegriffe.
So geht es richtig:

  • Vorwärts einsteigen und rückwärts aussteigen.
  • Vor dem Öffnen der Tür den nachfolgenden Verkehr beachten.
  • Eine Hand am Haltegriff und eine Hand an der Haltestange.
  • Nicht mit Gegenständen in den Händen ein- oder aussteigen.
  • Festes Schuhwerk versteht sich von selbst – keine Schlappen oder Latschen.

Durch Einhaltung bestimmter Verhaltensweisen lassen sich auch Absturzunfälle von der Ladefläche vermeiden. Benutzen Sie konsequent die vorgeschriebenen Leitern und Tritte – unterlassen Sie Kletterpartien an den Fahrzeugaufbauten. Leider wird häufig am Aufbau entlang geklettert oder der Unterfahrschutz hierfür zweckentfremdet. Diese Fahrzeugbauteile sind aber zum Besteigen der Ladefläche ungeeignet, wodurch es häufig zu Abstürzen mit schweren Verletzungen kommt.

Herabfallende Ladung

Stellen Sie sich beim Öffnen der Hecktüren oder Bordwände so, dass Sie von eventuell herabstürzender Ladung nicht getroffen werden und prüfen Sie zunächst, ob die Ladung dagegen drückt.

Vorsicht beim Öffnen von Hecktüren und Bordwänden

Selbst bei gesicherter Ladung kann beim Lösen von Zurrgurten die Gurtspannung ruckartig nachlassen und die Ladung kippen oder ins Rutschen geraten. Mit speziellen Ratschen, die die Vorspannkraft stufenweise freigeben, kann diese Unfallgefahr beseitigt werden.

Kamerasystem (links) ersetzt den herkömmlichen Rückspiegel (rot). Fotos: Daimler Truck AG

Gute Sicht

Vor dem Einordnen und vor dem Abbiegen muss der Fahrer den nachfolgenden Verkehr im Blick haben – Voraussetzung hierfür sind korrekt eingestellte Außenspiegel. Damit Fahrer die Spiegeleinstellung üben können, bietet die Berufsgenossenschaft Verkehr „Spiegeleinstellplanen“ zum Ausleihen an. Um das Fahrzeug herum ausgelegt, ermöglichen sie dem Fahrer durch Sichtfelder und Anweisungen die Spiegel optimal einzustellen.

Seit geraumer Zeit bieten Fahrzeughersteller Rückspiegel als Kamera- Monitor-Systeme an, die die entsprechenden Bilder auf Monitoren im Innenraum zeigen. Hilfs- und Distanzlinien auf dem Display unterstützen den Fahrer beim Abbiegen oder beim Ein- und Ausscheren. Solche Kamerasysteme bieten zudem eine verbesserte Sicht im Bereich der A-Säule, da die herkömmlichen Rückspiegel entfallen.

Elektrische Helfer – große Wirkung

Der moderne Arbeitsplatz eines Berufskraftfahrers kommt ohne Assistenzsysteme nicht mehr aus. Sie unterstützen den Fahrer im Arbeitsalltag und sorgen für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Nachfolgend wird eine Auswahl von Assistenzsystemen vorgestellt:

Im Kolonnenverkehr wird der Abstand zum Vordermann häufig falsch eingeschätzt, dann kann es zu brenzligen Situationen kommen. Droht der Abstand zu gering zu werden, regelt der Abstandsregeltempomat das System automatisch ab und hält den Sicherheitsabstand konstant.

„Als der Lkw nach rechts abbog und den Radweg querte, erfasste er den Radfahrer und verletzte ihn schwer.“ Solche Unfälle können durch Abbiegeassistenten vermieden werden. Bei diesen Systemen sind Kameras an der Beifahrerseite des Fahrerhauses angebracht, Sensoren ergänzen das System, indem sie das Umfeld detektieren. Erfassen die Sensoren einen Radfahrer, wird der Lkw-Fahrer gewarnt.

Der Verkehrszeichenassistent erkennt in Echtzeit über Kamera relevante Verkehrszeichen und zeigt diese dem Fahrer als Symbol an. Beispielsweise beim Überfahren von Einfahrverbotsschildern wird der Fahrer gewarnt.

Notbremsassistenten sind seit November 2015 für neu zugelassene Lkw vorgeschrieben. Bis Ende Oktober 2018 musste die Geschwindigkeit im Notfall nur um 10 km/h reduziert werden, seit November 2018 sind 20 km/h vorgeschrieben. Neueste Generationen des Notbremsassistenten leisten allerdings deutlich mehr als die gesetzlichen Vorgaben und können mitunter vor dem Hindernis stoppen. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) fordert einen dauerhaften Betrieb von Notbremsassistenten ohne manuelles Ausschalten.

Hitze und UV-Strahlen

In den Sommermonaten sind Berufskraftfahrer bei Beladetätigkeiten im Freien oder auf dem Rastplatz hohen Temperaturen und UV-Strahlen ausgesetzt. UV-Strahlung ist bekannt für Sonnenbrand, Hautkrebs und Augenschäden. Sogar im Schatten können immer noch bis zu 50 % der UV-Strahlung vorhanden sein. Als Schutzmaßnahmen eignen sich Kleidung mit langen Ärmeln und lange Hosen sowie eine Schirmmütze mit Nackenschutz. Sonnenschutzcreme schützt unbedeckte Stellen wie Hände und Gesicht, eine Sonnenbrille mit UV-Filter bewahrt die Augen vor der UV-Strahlung.

Praxis-Tipps für den Sommer

  • Klimaanlage so einstellen, dass große Unterschiede zur Außentemperatur vermieden werden.
  • Luftdüsen nicht direkt auf den Kopf richten.
  • Lkw möglichst im Schatten abstellen.
  • Bei Standzeiten Sonnenschutz für Front- und Seitenscheiben einsetzen.
  • Sonnenschutzmittel, Sonnenbrille und Erfrischungstücher nicht vergessen.
  • Regelmäßig trinken – Früchtetee, verdünnte Fruchtsäfte oder Mineralwasser.

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