Europäisches Parlament: Parlament billigt Reform der Straßenbenutzungsgebühren

  • Zeitbasierte Mautsysteme sollen zugunsten einer entfernungsabhängigen Gebühr auslaufen
  • Senkung der Gebühren für emissionsfreie oder emissionsarme Fahrzeuge
  • Neue Regeln werden auf Busse, leichte Nutzfahrzeuge und Pkw ausgedehnt

Das Europäische Parlament hat am 17.02.2022 in einer endgültigen Abstimmung grünes Licht für die im Juni 2021 mit den Mitgliedstaaten vereinbarte Reform der Straßenbenutzungsgebühren gegeben.

Es handelt sich um die Aktualisierung der Vorschriften für die Gebühren, die die EU-Mitgliedsstaaten für die Benutzung von Straßen des transeuropäischen Verkehrsnetzes von Lastkraftwagen, aber auch von Bussen, Lieferwagen und Personenkraftwagen erheben können.

Die EU-Mitgliedstaaten werden dadurch nicht gezwungen, für die Benutzung ihrer Straßen Gebühren zu erheben. Sollten sie sich jedoch dafür entscheiden, müssen sie die EU-Vorschriften einhalten.

Mautgebühren statt Vignetten

Die Straßenbenutzungsgebühren werden mit den neuen Regeln werden von einem zeitbasierten Modell auf

ein entfernungsabhängiges oder kilometerbezogenes System umgestellt, um den Übergang zur vollen Anwendung des Verursacherprinzips („der Verursacher zahlt“) und des Nutzerprinzips („der Nutzer zahlt“) zu vollziehen.

Die Abgeordneten haben sichergestellt, dass das System der „Vignetten“, die für einen bestimmten Zeitraum gekauft werden, im gesamten transeuropäischen Verkehrskernnetz ab 2030 für schwere

Nutzfahrzeuge (Lkw und Busse) abgeschafft und durch Mautgebühren (entfernungsabhängige Gebühren) ersetzt wird. Es sind jedoch Ausnahmeregeln in begründeten Fällen möglich.

Umweltfreundlichere Gebühren

Um die Nutzung umweltfreundlicherer Fahrzeuge zu fördern, müssen die EU-Länder ab 2026 unterschiedliche Gebührensätze für Lkw und Busse auf der Grundlage von CO2-Emissionen und für Lieferwagen und Kleinbusse nach der Umweltverträglichkeit des Fahrzeugs festlegen.

Außerdem müssen sie die Gebühren für emissionsfreie oder emissionsarme Fahrzeuge erheblich senken.

Gebühren für Lieferwagen und Pkw

Die neuen Vorschriften sehen eine kürzere Gültigkeitsdauer der Vignetten (ein Tag, eine Woche oder 10 Tage) und eine Preisobergrenze für Personenkraftwagen vor, um eine faire Behandlung von Gelegenheitsfahrern aus anderen EU-Ländern zu gewährleisten.

EU-Länder, die leichtere Fahrzeuge wie Kleintransporter, Kleinbusse und Personenkraftwagen belasten wollen, können weiterhin zwischen Maut- und Vignettensystemen wählen.

Mehr Transparenz

Die Abgeordneten stellten sicher, dass die Mitgliedstaaten drei Jahre nach Inkrafttreten der Vorschriften einen Bericht über die in ihrem Hoheitsgebiet erhobenen Maut- und Benutzungsgebühren veröffentlichen, einschließlich Informationen darüber, wie sie diese Einnahmen verwenden.

Die Abgeordneten fordern, dass die Einnahmen aus diesen Gebühren zu nachhaltigem Verkehr, Infrastruktur und Mobilität beitragen.

Giuseppe Ferrandino

Giuseppe FERRANDINO official portrait – 9th Parliamentary term

EP-Berichterstatter Giuseppe Ferrandino (S&D, IT) kommentiert: „Die Abschaffung der Vignette für Lastwagen wird ein System vereinheitlichen, das derzeit übermäßig fragmentiert ist. Wir werden Anreize liefern, im Verkehrsbereich sauberere Fahrzeuge zu verwenden. Ich freue mich sehr, dass wir die Einführung der Ein-Tages-Vignette für alle im Verkehr befindlichen Fahrzeuge erreicht haben, die es Reisenden im Transit ermöglicht, einen fairen Preis für ihre Fahrt zu zahlen. Dies ist auch eine positive Entwicklung für den Tourismus, denn es wird sichergestellt, dass Reisende nicht benachteiligt werden.“

Nächste Schritte

Die Vorschriften werden 20 Tage nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der EU in Kraft treten. Die Mitgliedstaaten haben zwei Jahre Zeit, um sich auf die Anwendung der neuen Vorschriften vorzubereiten.

Empfohlene Artikel

Eine Antwort hinterlassen

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

zwanzig − 7 =

- Anzeige -
Anzeige: Ford Trucks
Anzeige: LOMO Autohof

Aktuelle Beiträge

MAN Truck & Bus: TGX Truckers‘ Edition

Während des Truck Grand Prix am Nürburgring hat MAN Truck & Bus erstmals die neue MAN TGX Truckers‘ Edition präsentiert. Die Sonderedition basiert auf...

BG Verkehr und IVSS Sektion Transportwesen: Sichere, menschenwürdige Arbeitsbedingungen

Transport macht nicht an den Grenzen halt. Überlegungen zum Gesundheitsschutz dürfen dies auch nicht, deshalb hatten die BG Verkehr und die IVSS Sektion Transportwesen...

Scania: Batteriemodul unter dem Fahrerhaus und Megawatt-Ladesystem

Scania erweitert sein Angebot im Bereich der Elektromobilität um zwei Neuerungen: Ab sofort sind das neue unter dem Fahrerhaus angeordnete Batteriemodul sowie das Megawatt...

Internationaler ADAC Shell Truck-Grand-Prix: Saisonhöhepunkt auf dem Nürburgring

Der Internationale Shell ADAC Truck-Grand-Prix ist seit vier Jahrzehnten einer der Saisonhöhepunkte auf dem Nürburgring. Die Jubiläumsausgabe zum 40-jährigen Bestehen lockte 135.000 begeisterte Zuschauer...

Schmitz Cargobull: Neuheiten am Pavillon 33

Schmitz Cargobull wird während der IAA TRANSPORTATION 2026 die aktuellen Produkt- und Service-Highlights präsentieren. Erstmals wird dafür der neue Standort Pavillon 33 genutzt. Unter dem...

SCHEUERLE: Transport von Rotorblättern

Mit Rotorblattlängen von nahezu 90 Metern haben sich Transporte für Windenergie­anlagen zunehmend zu hochkomplexen Projekten entwickelt. Beim Windpark Bad Berleburg zeigt sich, wie anspruchsvoll...

Fliegl: Sattelkipper für die E-Mobilität

Ein besonders geringes Leergewicht, eine hohe Nutzlast sowie clevere Details machen den Fliegl-Dreiachs-Kippsattelauflieger mit Stahlmulde zu einem gefragten Baufahrzeug. Das Chassis wurde zudem für...