Home Sicherheit BG Verkehr und IVSS Sektion Transportwesen: Sichere, menschenwürdige Arbeitsbedingungen

BG Verkehr und IVSS Sektion Transportwesen: Sichere, menschenwürdige Arbeitsbedingungen

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Der Spediteur und Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins DocStop für Europäer e.V., Joachim Fehrenkötter, setzt sich für die medizinische Unterwegsversorgung für Fahrer ein. Foto: Thomas Panzau / IVSS Sektion Transportwesen
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Transport macht nicht an den Grenzen halt. Überlegungen zum Gesundheitsschutz dürfen dies auch nicht, deshalb hatten die BG Verkehr und die IVSS Sektion Transportwesen Anfang Juni zu einem internationalen Symposium zur Gesundheitsversorgung für Lkw-Fahrer unterwegs eingeladen. Denn nicht nur die Arbeit ist international, auch die Lösungen sollten es sein.

Die Themenpalette reichte von der sanitären Situation an Rasthöfen, über die Frage, wie man sich unterwegs fit halten, gesund essen und einen erholsamen Schlaf finden kann, bis hin zu komplexeren Themen welchen Einfluss die Arbeitsbedingungen auf die Gesundheit der Fahrer haben. Themen wie langes Sitzen und wenig Bewegung, Nachtarbeit, fehlende Einkaufsmöglichkeiten und daraus resultierend ungünstige Ernährungsbedingungen, psychische Belastung durch hohes Verkehrsaufkommen und Staus oder mangelnde Planbarkeit von Be- und Entladezeiten sind nur einige der äußeren Bedingungen. Gefragt wurde zum Beispiel was es mit einem Menschen macht, wenn er am Rasthof zwischen anderen Lkw auf der Ladefläche oder der Kochklappe „kochen“ und essen muss? Kann man sich dabei entspannen und anschließend in einen erholsamen Schlaf finden? Beides wichtige Voraussetzungen für einen sicheren Fahrer.

Medizinische Unterwegsversorgung

Viele der angesprochenen Fragen sind im Gewerbe bekannt, aber Lösungen erst in Ansätzen erkennbar. So hilft DocStop bei der medizinischen Unterwegs-Versorgung der Fahrer. Joachim Fehrenkötter, der das System vorstellte, berichtete von 4.000 – 5.000 behandelten Fahrern pro Jahr. Geplant ist, das System durch Teledoc, einem Angebot zur telemedizinischen Versorgung, zu ergänzen. Es soll schnelle Diagnosen und medizinische Hilfe per Smartphone bieten. Amelia Cantarero Garcia aus Spanien stellte mit der Cristobal App ebenfalls ein digitales Angebot vor, das Fahrer beim Finden von Gesundheitseinrichtungen vor Ort helfen soll. Weiter sind damit Tipps zum Gesundheitsverhalten etwa bei chronischen Krankheiten wie Diabetes oder Hinweise für mehr Bewegung im Fahreralltag möglich.

Problem: Parkmöglichkeiten

Deutlich wurde auch, dass in manchen Ländern die Zugangs- und Parkmöglichkeiten für Lkw besser organisiert sind. Ein Projekt aus Belgien, der European Wellbeing Initiative von ESPORG, gab Hinweise, was möglich wäre. Bessere Park- und Einkaufsmöglichkeiten erleichtern das Einkaufen und damit die Versorgung unterwegs. Oft scheitern sie aber daran, dass Lkw vor Ort nicht gewünscht werden. Jeder möchte die Waren nutzen, wenn es aber um die Umsetzung geht, verweist man sehr oft auf die anderen (Kommunen, Straßen oder, oder – eben „no truck in my backyard“).

Vorgestellt wurde auch die Möglichkeit Fahrerhäuser so zu gestalten, dass in ihnen Küchenlösungen, die über die Mikrowelle hinausgehen, möglich sind. Breitere Betten und evtl. auch der Einbau von Duschen oder Toiletten wären dann möglich. Noch sind dazu die gesetzlichen Möglichkeiten nicht geschaffen und unter den anwesenden Fahrern waren die Lösungen auch nicht unumstritten. Nicht jeder findet sie erforderlich, wenn ein ausreichendes Angebot auf Rast- oder Autohöfen vorhanden wäre.

Gesundes Essen muss bezahlbar sein

Die „Goldrand-Lösung“ für alle wird es nicht geben. Denn nicht immer führt besseres Wissen zu Gesundheitsthemen auch dazu, dass diese im Alltag umgesetzt werden. Viele, nicht nur in Fahrberufen, wissen, wie eine gesunde Mahlzeit aussehen sollte, greifen aber dennoch zur Currywurst oder einem Schnitzel mit Pommes. Denn Essen ist eben mehr als Kalorienaufnahme. Es schafft auch ein positives Gefühl, Wohlbefinden und Belohnung nach einem harten Arbeitsalltag. Gesundes Essen muss nicht nur angeboten, sondern auch bezahlbar sein.

Und die bekannten 10.000 Schritte haben viele von uns im Kopf, auch wenn wir dann den Platz auf dem Sofa mit der Lieblingsserie oder einem Fußballspiel bevorzugen. Auch Büromenschen kennen den „inneren Schweinehund“. Aber deutlich wurde, dass die äußeren Bedingungen im Fahreralltag hierfür eine besondere Hürde darstellen.

Fahrermangel wegen schlechter Arbeitsbedingungen

Die oben beschriebenen Arbeitsbedingungen im Fahrerleben führen nicht nur dazu, dass es schwieriger ist, sich gesundheitsgerecht zu verhalten, sie führen auch dazu, dass sich erfahrene Fahrer mit dem Gedanken tragen, den Beruf aufzugeben, wie Yorhos Apostolopoulos als Ergebnis seiner Studien in Griechenland berichtete. Ein Thema, das in Anbetracht des Fahrermangels nicht vernachlässigt werden darf. Eine weitere Frage war, wie sich auch Frauen für den Fahrberuf begeistern lassen?

Verlässliche Zeitpläne, bessere Planbarkeit der Touren und Wochenenden im Kreis der Familie oder zumindest mit Sozialkontakten, mehr Erholungsmöglichkeiten an den Rasthöfen, ein gutes Angebot an gesundem Essen und menschenwürdige Sanitäreinrichtungen, ausreichend und sichere Rasthöfe, ergonomisch gestaltete Fahrerhäuser, mehr Wertschätzung in der Gesellschaft, bei Unternehmen und an Verladestellen – Bedingungen, die für Männer und Frauen gleichermaßen notwendig sind.

Deutlich wurde, die Schaffung gesunder Bedingungen unterwegs bleibt eine Herausforderung. Viele der notwendigen Basics sind bereits bekannt, Lösungen warten aber oftmals noch darauf, in den Alltag umgesetzt zu werden. Ethische Gründe, aber auch der immer dringender werdende Fahrermangel erfordern hier Engagement aller Beteiligten. Die Veranstaltung war dazu ein guter Schritt, sich der Aufgabe immer wieder zu stellen und über den Tellerrand zu blicken, wie in anderen Ländern mit dieser Herausforderung umgegangen wird.

Renate Bantz

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