Scania konzipiert seine Lkw konsequent nach dem Baukastenprinzip. Das betrifft nicht nur die Fahrerhäuser und die Fahrgestelle, sondern ganz besonders auch den Antriebsstrang. Die jüngste Entwicklung, die sich daraus ergibt, ist eine neue Motorengeneration mit fünf Zylindern. Der neue 5-Zylinder-11-Liter-Motor teilt 85 Prozent seiner Bauteile mit dem Super 13-Motor.
Während die legendären Achtzylinder nach wie vor mit einer begeisternden Klangkulisse als „King of the Road“ unterwegs sind und die Sechszylinder als bewährte „Arbeitstiere“ gelten, gibt es jetzt mit den neuen Super 11-Fünfzylinder-Motoren eine besonders wirtschaftliche Alternative einen Scania zu fahren. Die neuen Motoren gibt es als 350 PS-, 390 PS- und 430 PS-Varianten.
Technische Weiterentwicklungen
Der Super 11 profitiert von einigen technischen Weiterentwicklungen. Der neue Motor ist mit einer Nockenwellenversteller-Technologie für eine variable Ventilsteuerung ausgestattet. Diese ermöglicht ein thermisches Motormanagement in Echtzeit und soll so die Verbrennungsleistung verbessern. Hinzu kommen eine neue Motorsoftware sowie Ausgleichswellen zur Reduzierung von Vibrationen – ergänzt durch eine leistungsstarke Motorbremse, die durch das Variable Valve Brake (VVB) System eine Bremsleistung von bis zu 344 kW bietet. Die Cam Phaser-Technologie soll das Wärmemanagement verbessern. Das Scania Turbo-Dosing-System optimiert den AdBlue-Einsatz und soll so die Gesamteffizienz des Motors zusätzlich steigern. Durch seine alternative Kraftstoffkompatibilität kann der neue Fünfzylinder sowohl mit HVO als auch mit Biodiesel auf FAME-Basis betrieben werden.
Leise und vibrationsarm
Soviel vorab: Wer aufgrund des Fünfzylinders einen speziellen Motorsound erwartet hat, wird leider „positiv“ enttäuscht. Die ungerade Zylinderzahl ist weder von außen noch im Fahrerhaus kaum wahrnehmbar. Leise und vibrationsarm verrichtet der neue Scania Super-Motor seine Arbeit. Wenn man es nicht wüsste, könnte man bei der Laufkultur durchaus auch auf einen Sechszylinder schließen.
Die extrem auffällige grüne Lackierung des Testfahrzeugs könnte schon auf den Hintergrund der neuesten Scania-Entwicklung hinweisen. Hier geht es um Wirtschaftlichkeit und um einen geringen Kraftstoffverbrauch sowie der damit verbundenen Schonung der Umwelt.
Geringeres Gewicht
Ein weiterer Aspekt ist das geringere Gewicht des Motors, das der Nutzlast zu Gute kommt. Immerhin ist er 85 kg leichter als der Super 13-Motor. Durch die extrem gute VVB-Motorbremswirkung kann zudem in vielen Einsatzgebieten auf den Retarder verzichtet werden. Das ergibt einen zusätzlichen Gewichtsvorteil. Auch bei hohen Motorbremsdrehzahlen – mit entsprechend guter Wirkung – bleibt es im Fahrerhaus leise.
Passend zur gewichtssparenden Konstellation – die Sattelzugmaschine bringt nur 7.295 kg auf die Waage – rollte unser Testfahrzeug mit der R-Kabine ohne Hochdach an. Mit 430 PS und der „normalhohen“ Kabine ist zwar ein Einsatz im Fernverkehr möglich, aber Scania selbst beschreibt es eher so: Der leichtere Antrieb ist speziell für kraftstoffeffiziente und gewichtsoptimierte Transporte konzipiert – von urbaner Logistik bis zum regionalen Fernverkehr.

treppenartig angeordnet.
Testfahrt mit 31 Tonnen Gesamtgewicht
Deshalb rollte der von uns gefahrene Scania auch nicht mit den sonst üblichen 40 Tonnen an, sondern teilbeladen mit rund 31 Tonnen Gesamtgewicht.
So wirkte er während der Testfahrt sehr gut motorisiert. Neben dem leisen Fahrgeräusch – auch durch die gute Geräuschdämmung in der Kabine – fiel vor allem das niedrige Drehzahlniveau auf, mit dem der Fünfzylinder weitgehend gefahren werden kann. Bei konstant 80 km/h zeigt der Drehzahlmesser im 12. Gang 1.150/min.
Bestens bei Kräften
Das maximale Drehmoment von stattlichen 2.200 Nm liegt bereits ab 950 Umdrehungen an und bleibt bis 1.360/min konstant auf diesem Niveau. Man hat stets den Eindruck, dass der Fünfzylinder mit 11 Liter Hubraum bestens bei Kräften ist.
Die niedrigen Drehzahlen wirken sich auch günstig auf den Kraftstoffverbrauch aus. Im Vergleich zu den kleineren 9-Liter-Motoren soll der Kraftstoffverbrauch um immerhin sieben Prozent geringer sein. Da unser Testfahrzeug wie beschrieben nur auf 31 Tonnen ausgelastet war, haben wir den Kraftstoffverbrauch nicht exakt ermittelt, aber der Bordcomputer zeigte nach 230 Kilometer weitgehender Autobahnfahrt mit leichter Topografie einen Durchschnittsverbrauch von 23,9 Liter/100 km. In diesem Zusammenhang haben sich aber sicher auch die aerodynamischen Optimierungen am Test-Sattelzug positiv ausgewirkt.
Der Scania kann nicht nur bei den Kriterien Wirtschaftlichkeit und Komfort punkten, sondern auch beim Thema Sicherheit. Alle relevanten aktuellen Sicherheits- und Fahrerassistenzsysteme waren an Bord. Aufgefallen ist dabei, dass beim Einsatz des Abstandregeltempomaten leider keine Anzeige der tatsächlichen Entfernung in Meter zum vorausfahrenden Fahrzeug im Display erscheint. Die elektrisch unterstützte Lenkung vermittelt eine sehr präzise Rückmeldung und ist zudem leichtgängig.
helfen beim Kraftstoff sparen.
Der Arbeitsplatz im Scania 430 R ist – wie in allen Scania – sehr komfortabel und ergonomisch gestaltet. Das neue Smart Dash Cockpit hält alle Infos auf einen Blick bereit. Die elektrische Bedienung des Rollo für die Windschutzscheibe ist sehr praktisch. Die drei Fächer oberhalb der Scheibe sind zwar deutlich kleiner als bei der Hochdachversion, aber trotzdem gut nutzbar.
Mit dem 430 R hat Scania einen besonders wirtschaftlichen Lkw im Portfolio, der aber trotzdem das typische Scania-Fahrgefühl vermitteln kann. Und somit ist er auch aus Fahrersicht eine gute Alternative zu den Sechszylindern. Die wahren „Kings of the Road“ bleiben jedoch die Achtzylinder. Somit bietet Scania auch bei den Diesel-Varianten für jeden Einsatzzweck das passende Fahrzeug.
Horst Hendrisch