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Ladungssicherung: Haltbarkeit von Zurrgurten

Wie viele Jahre darf man einen Zurrgurt für die Ladungssicherung auf Kraftfahrzeugen, Fahrzeugkombinationen und Anhängern verwenden? Gegenfrage: Wie lange darf ein Auto am Straßenverkehr teilnehmen? Antwort auf beide Fragen: So lange, wie die technischen und sicherheitsrelevanten Voraussetzungen nachweislich erfüllt sind. Bei diesem Thema gibt es jedoch einiges zu beachten.  Werner Glasen von der SpanSet Deutschland GmbH gibt hierzu praxisnahe Hinweise.

Immer wieder werden Hersteller gefragt, ob Zurrgurte für die Ladungssicherung ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) oder wie bei Medikamenten gar ein Verfallsdatum haben. Die Antwort lautet: Nein, das gibt es nicht. Zurrgurte können nach unseren Erfahrungen bei bestimmungsgemäßer Verwendung, richtiger Lagerung und Pflege über viele Jahre und manchmal sogar Jahrzehnte eingesetzt werden.

Das ist an sich eine gute Nachricht, weil einer möglichst langen und somit nachhaltigen Nutzung der Zurrgurte grundsätzlich nichts im Wege steht. Aber Vorsicht! Niemand bescheinigt einem Zurrsystem eine unbegrenzte Lebensdauer.

Stattdessen gilt: Die Nutzungsdauer ist vom technischen Zustand der Zurrgurte abhängig. In diesem Punkt nehmen die relevanten Richtlinien und Normen wie etwa VDI 2700 und EN-12195 vor allem die Fahrer, Verlader und Unternehmer in die Pflicht. Jeder von ihnen ist mitverantwortlich für die Beantwortung der Frage, ob ein Zurrgurt im konkreten Fall genutzt werden darf oder ablegereif ist.

Betriebsanleitung beachten

Der Hersteller hat bei jedem Zurrgurt und jedem Zurrsystem praktische Hinweise zur Benutzung und Pflege mitzuliefern. Die Beachtung der Betriebsanleitung sollte für jeden Fahrer, Verlader und Unternehmer selbstverständlich sein.

Prüfung vor jedem Gebrauch

Vor der ersten Inbetriebnahme eines Zurrsystems ist sicherzustellen, dass es den gültigen Normen entspricht und über ein fest angebrachtes, lesbares Etikett verfügt. Zu den vorgeschriebenen Angaben gehören unter anderem: Zurrkraft (Lashing Capacity, LC), Handkraft (Standard Hand Force, SHF) und – bei Systemen für das Niederzurren – die Vorspannkraft (Standard Tension Force, STF).

Produktlabel mit Herstelljahr und Rückverfolgbarkeitscode als Barcode und Zahlenfolge (i) für (a) Fest- und (b) Losende. Zurrsystem mit STF-Angabe sind für das Niederzurren geeignet.
Produktlabel mit Herstelljahr und Rückverfolgbarkeitscode als Barcode und Zahlenfolge (i). Zurrsystem ohne STF-Angabe für das Direkt- und Diagonalverzrurren geeignet.

Darüber hinaus sehen die meisten Bedienungsanleitungen vor, dass der Zurrgurt bei jeder Verwendung auf augenfällige Mängel zu kontrollieren ist.

Als Anzeichen von Schäden gelten zum Beispiel:

  • Unvollständige oder fehlende oder unleserliche Angaben auf dem Label. Zu den vorgeschriebenen Angaben gehören unter anderem: Zurrkraft (Lashing Capacity, LC), Handkraft (Standard Hand Force, SHF) und – bei Systemen für das Niederzurren – die Vorspannkraft (Standard Tension Force, STF)
  • Verformungen, Risse, starke Anzeichen von Verschleiß und Korrosion bei Endbeschlägen und Spannelementen.[1]
  • Risse, Schnitte, Einkerbungen und Brüche in lasttragenden Fasern und Nähten, Verformungen durch Wärmeeinwirkung bei Gurtbändern.

Regelmäßige Prüfung durch „befähigte Person“

Mindestens einmal jährlich sind die Zurrmittel durch eine „befähigte Person“ (früher: „Sachkundiger“) zu kontrollieren. Orientierungshilfen für die Prüfung geben die Betriebsanleitungen. Die Ergebnisse sind zwingend zu dokumentieren, empfehlenswert sind ein digitales System, eine Prüfkartei oder ein Prüfbuch. Festzuhalten sind unter anderem: Datum und Art der Prüfung, Ergebnisse, festgestellte Mängel, Prüfungsurteil.

Welchen Qualifikationsnachweis eine „befähigte Person“ benötigt, beschreibt unter anderem die EN 12195. Vorausgesetzt werden unter anderem eine entsprechende Ausbildung, Fachkenntnisse und praktische Erfahrungen. Richtlinien für die Ausbildung enthält die EN ISO 9002:1994, 4.

In Abhängigkeit von den betrieblichen Gegebenheiten können kürzere Prüfintervalle erforderlich sein. Man beachte: Zurrsysteme sind Arbeitsmittel, für die der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung Art, Umfang und Fristen von Prüfungen ermitteln und festlegen muss.

Instandsetzung und Reparatur

Die VDI 2700 erlaubt den „befähigten Personen“ Instandsetzungsarbeiten und Reparaturen. Die „befähigten Personen“ sind dann verantwortlich dafür, dass die ursprünglichen Eigenschaften des Zurrmittels wiederhergestellt werden. Die Hersteller sind in diesem Punkt restriktiver. In ihren Betriebsanleitungen ist meistens zu lesen, dass Reparaturen und Instandsetzungsarbeiten an ihren Produkten ausschließlich ihnen selbst vorbehalten sind oder Personen, die sie autorisiert haben.

Wie im Text beschrieben, führt der Hersteller SpanSet Reparaturen und Instanthaltung an Zurrsystemen durch.

Kennzeichnung

Jeder Zurrgurt benötigt ein fest mit ihm verbundenes Produktlabel. Es muss unter anderem einen Rückverfolgbarkeitscode ­– z. B. für Rückrufe – und das Herstelldatum enthalten.

Zurrmittel von SpanSet Deutschland verfügen über ein Zusatzlabel, dass die Dokumentation der Inbetriebnahme und jährlichen Prüfungen vereinfacht. Der Nutzer kann darauf Inbetriebnahme und die ersten sechs jährlichen Prüfungen mit einem wasserfesten Stift markieren. Zusätzlich ist die schriftliche oder digitale Dokumentation der definierten Prüfintervalle verpflichtend.  

SpanSet-Zusatzlabel (Vorderseite), der Monat der Inbetriebnahme wird mit einem Dreieck markiert. Ein Punkt zeigt an, wann die nächste Prüfung ansteht. Außerdem SpanSet-Zusatzlabel (Rückseite).

Die Angabe des Herstelldatums auf dem Label löst häufig Nachfragen zur vermeintlichen „Mindesthaltbarkeit“ aus. Auch deshalb, weil zwischen Produktion und Ersteinsatz durchaus schon mal zwölf und mehr Monate liegen. Hier gilt: Sofern der Zurrgurt nach Herstellervorgaben gelagert wurde, verfügt der Anwender bei Inbetriebnahme über ein neues Produkt – selbst ein paar Jahre nach der Herstellung.

Ein Mindesthaltbarkeitsdatum für Zurrgurte gibt es nicht. Aber ein Zurrgurt darf nur unter bestimmten Voraussetzungen benutzt werden. Im Zweifelsfall ist es empfehlenswert, den Hersteller oder eine andere fachlich qualifizierte Person zurate zu ziehen.

Anerkannte Regeln der Technik beachten

Hochwertige Zurrgurte sind robuste Hilfsmittel für die ordnungsgemäße Ladungssicherung gemäß Straßenverkehrsordnung. Dort heißt es (§ 22 Ladung, Abs. 1): „Die Ladung einschließlich Geräte zur Ladungssicherung sowie Ladeeinrichtungen ist so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin und her rollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen kann.“ Der Absatz endet mit dem für jeden Anwender bedeutsamen Hinweis: „Dabei sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten.“

Werner Glasen, SpanSet Deutschland GmbH


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