Während der Innovation Days 2026 hat Fliegl in Triptis unter dem Motto „Fit 2030“ neben der Präsentation von Fahrzeugneuheiten auch einen Einblick in die Produktion und deren Modernisierung gegeben.
In den letzten drei Jahrzehnten hat sich Fliegl zu einer festen Größe im Nutzfahrzeugbau entwickelt. Durch das stetige Wachstum waren jedoch im Laufe der Jahre im Werk 1 in Triptis die Wege zwischen Lager, Schweißerei, Montage und Endmontage recht lang geworden. Mit dem neuen Hallenkomplex ist damit nun Schluss: Alle Stationen befinden sich künftig unter einem Dach, die Komponenten und Fahrzeuge müssen nicht mehr über das Werksgelände transportiert werden.
Kürzere Wege
Eine deutlich kürzere Strecke zwischen allen Stationen bedeutet erheblich kürzere Werksverkehre, dementsprechend weniger CO2-Ausstoß und eine spürbare Zeitersparnis in der Montage.
Als Teil des Programms „Fit 2030“ werden 11,7 Millionen Euro in den Neubau investiert – ein klares Zeichen für die Zukunftssicherheit des Standorts. Weniger als vier Monate sind für den Bau veranschlagt. Vor Ostern soll die neue Halle in Betrieb gehen. Der Umzug der einzelnen Stationen findet im laufenden Betrieb statt, berichtet Werkleiter Maxi Fliegl. Nicht nur kurze Wege sorgen dann für Effizienz, sondern moderne Technik in und auf der Halle produziert und spart Energie: So ist das Dach mit Solarmodulen belegt, die Fußbodenheizung und Grubenheizungen sorgen für gute Arbeitsbedingungen. Die Abwärme der neuen Maschinen wird zur Rückgewinnung von Strom und Wärme genutzt.
Am Firmensitz in Triptis sind etwa 250 Mitarbeiter beschäftigt, im Trailer-Verbund mit Hangler und Strolit fertigen 500 Mitarbeiter rund 5.000 Fahrzeuge pro Jahr. Die Mietflotte der RPS Trailer Rental umfasst etwa 700 Fahrzeuge und deckt praktisch die gesamte Bandbreite an Anhängern und Aufliegern ab.

Details des Neubaus, in den 11,7 Millionen Euro investiert werden.
Neue Schweißroboter im Muldenbau
Auch im Werk 2 investierte Fliegl in moderne Maschinen und setzt nun auf noch mehr Eigenfertigung: Zwei neue Schweißroboter schweißen ab sofort Alu- und Stahlmulden für die Sattelkipper noch präziser und schneller. Dazu Werkleiter Maxi Fliegl: „Die Qualität jeder einzelnen Schweißnaht lässt sich nun nachvollziehen, beispielsweise die Wärmeeinbringung und die Nahtdicke.“ Durch die Industrieroboter fallen keine Arbeitsplätze weg. Maxi Fliegl fügt dazu an: „Wir können jetzt auch Komponenten inhouse fertigen, die wir vorher ausgelagert hatten. Ziel der Investition war also auch, mehr Arbeitsplätze zu schaffen, mehr Eigenfertigung nach Triptis zu holen und Transportwege zu reduzieren.“
Umweltschutz und Nachhaltigkeit
Bereits seit vielen Jahren setzt Fliegl im Werk auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Schon 2010 montierte Fliegl in großem Stil Solarmodule auf die Hallendächer. Im Werk in Triptis sind nun alle Hallendächer mit Solarmodulen belegt, die fünfmal mehr Energie produzieren, als das Werk verbraucht – der überschüssige Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist. Das eigene Blockheizkraftwerk sorgt für nachhaltige Wärmeerzeugung, Elektro-Gabelstapler sind auf dem Werksgelände lokal emissionsfrei unterwegs und ein Regalsystem erzeugt durch die Bewegungsenergie beim Auf- und Abfahren Strom.
Breites Fahrzeugprogramm
Die Präsentation der Fahrzeugexponate fand exklusiv in der Halle statt. Wie auf dem Laufsteg wurden die Fahrzeuge in die Halle gefahren. Den Anfang machte ein Containerchassis danach ein Sattelkipper mit Mulde und dem neuen STEP-Podest. Weitere Fahrzeuge waren ein Tiefbettsattelauflieger, ein Tandem-Wechselpritschenanhänger und ein klassischer Gardinensattelauflieger. Auch ein teleskopierbarer Sattelauflieger von Hangler – einem Unternehmen der Fliegl-Gruppe mit Sitz in Österreich – mit reichlich Platz und Nutzlast für besonders lange Ladung wurde vorgeführt.
Bei der Präsentation zeigte sich wie vielseitig kombinierbar und flexibel einsetzbar Fliegl-Fahrzeuge sind. Die Besonderheit dabei: Leichtbau und Langlebigkeit schließen sich dabei nicht aus. Clevere Details machen die Fahrzeuge besonders alltagstauglich für leichte bis schwere Anwendungen.
Chemiechassis für E-Lkw
Firmenchef Helmut Fliegl enthüllte zudem ein neu entwickeltes Chemiechassis, mit dem das Unternehmen auf die speziellen Anforderungen eingeht, die sich beim Betrieb einer Elektro-Zugmaschine ergeben. „Bei E-Lkw muss die Sattellast oft geringer sein als bei herkömmlichen Zugmaschinen. Wir haben das durch eine optimierte Achsposition mit einem leicht größeren Radstand gelöst“, erklärt Fliegl Vertriebsexperte Richard Milbert. Das neue Chassis ist Auftakt für eine komplette Produktpalette, die Fliegl speziell für den Betrieb mit Elektro-Zugmaschinen entwickelt. Einer der ersten Kunden, der Tankcontainer- Dienstleister Köppen aus Duisburg, transportiert mit dem neuen Chassis vor allem Container mit einer Spezialchemie für Pipelines. Da diese Ladung sehr teuer und verbrauchssteuerpflichtig ist, verbaute Fliegl zudem ein spezielles Wägesystem: der Container lagert auf dem Chassis auf vier präzisen Wägezellen, so kann die Ladungsabgabe exakt kontrolliert und protokolliert werden.
Bereits seit vielen Jahren setzt Fliegl auf Umweltschutz. Nachhaltigkeit, Wachstum und Verantwortung stehen dabei im Mittelpunkt der Unternehmensstrategie. Mit der Aktion „Baumpatenschaft“ haben Kunden nun die Möglichkeit, bei jeder Fahrzeugabholung gemeinsam mit Fliegl einen Baum auf dem großen Werksgelände am Werk 2 zu pflanzen. In Kooperation mit einer Baumschule werden vor allem einheimische Bäume gepflanzt und anschließend gepflegt, pro Jahr mehrere tausend Stück. Die neuen Baumbesitzer erhalten für jeden Baum eine Urkunde, zudem stellt Fliegl eine Metallplakette mit dem Firmennamen auf.
Günter Willwert